Heute ist Tag des Internets. Am 29. Oktober 1969 wurde im Labor von Leonard Kleinrock an der University of California, Los Angeles, die erste Nachricht über das ARPANET an einen Rechner des Stanford Research Institute (SRI) geschickt. Geplant war der Befehl „LOGIN“. Nach den Buchstaben „L“ und „O“ brach die Verbindung ab, etwa eine Stunde später gelang die Anmeldung (Kleinrock, 2010). Diese Verbindung gilt als Beginn des ARPANET, aus dem das Internet hervorging. Der 29. Oktober wird deshalb als Tag des Internets bezeichnet.
Wer von den Anfängen des Internets erzählt, nennt meist Männer: Leonard Kleinrock, Vint Cerf, Tim Berners-Lee. Elizabeth „Jake“ Feinler fehlt in dieser Aufzählung fast immer. Dabei sorgte sie dafür, dass sich im schnell wachsenden Netz überhaupt jemand zurechtfand.

Foto: Elizabeth Jake Feinler; Bildrechte: Doc Searls, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Ein Netz braucht ein Verzeichnis
Mit jedem neuen Rechner im ARPANET stellte sich dieselbe Frage: Welche Rechner gibt es, wie heißen sie, wer ist zuständig? Diese Aufgabe übernahm das Network Information Center (NIC). Es war am SRI angesiedelt, also an eben dem Institut, dessen Rechner 1969 das „LO“ aus Los Angeles empfangen hatte. Feinler arbeitete seit 1960 am SRI und wechselte 1972 in die Gruppe von Douglas Engelbart, in der das NIC entstanden war. Ab 1973 leitete sie das NIC als Principal Investigator (Computer History Museum, 2024). Ihr Team führte das Verzeichnis der Rechner im Netz, verteilte die technischen Standards (die „Requests for Comments“) und beantwortete Anfragen aus dem Netz (Internet Hall of Fame, 2012).
Zwei Ergebnisse dieser Arbeit prägen das Internet bis heute: Im NIC entstand mit WHOIS der erste abfragbare Dienst für Rechnernamen und Adressen, und Feinlers Gruppe entwickelte das Schema der Top-Level-Domains .com, .edu, .gov, .mil, .org und .net (Internet Hall of Fame, 2012). Feinler selbst nannte das NIC rückblickend „das prähistorische Google“ (Computer History Museum, 2024). Im Jahr 2012 gehörte sie zu den ersten Persönlichkeiten, die in die neu geschaffene Internet Hall of Fame aufgenommen wurden, gemeinsam mit Vint Cerf und Tim Berners-Lee.
Informatik heute und das Ada-Lovelace-Projekt
Mehr als fünfzig Jahre nach dem historischen „LO“ hat sich einiges bewegt, auch wenn Frauen in der Informatik nach wie vor in der Minderheit sind. Der Frauenanteil unter den MINT-Erstsemestern ist von 31 Prozent im Jahr 2002 auf gut 35 Prozent im Studienjahr 2022 gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2024) und erreichte 2024 mit 36 Prozent einen neuen Höchststand (Statistisches Bundesamt, 2026). In der Informatik lag er 2022 mit knapp 23 Prozent allerdings noch deutlich darunter (Statistisches Bundesamt, 2024).
Genau hier setzt das Ada-Lovelace-Projekt an – und das bereits seit 1997, als die Lücke noch deutlich größer war: Im Wintersemester 1996/97 lag der Frauenanteil unter den Informatikstudierenden in Deutschland bei knapp zwölf Prozent, nachdem er Ende der 1970er-Jahre noch bei gut 18 Prozent gelegen hatte (de Vries & Füchtjohann, 2018). Seitdem ist der Anteil merklich gestiegen, von einem ausgeglichenen Verhältnis ist das Fach aber weit entfernt. Deshalb braucht es Vorbilder: Als Mentorinnen begleiten Studentinnen aus MINT-Fächern Schülerinnen auf ihrem Weg, vermitteln ein realistisches Bild der Informatik und geben persönliche Einblicke in ein MINT-Studium. An den Standorten Mainz, Kaiserslautern und Remagen bieten sie praxisnahe Angebote zu Zukunftsthemen wie Programmieren, Künstliche Intelligenz, Kryptologie und Extended Reality. Viele dieser Mentorinnen studieren selbst Informatik, Sozioinformatik oder Software Engineering und erleben täglich, was es bedeutet, in ihrem Fachbereich in der Minderheit zu sein. Umso wichtiger ist diese Vorbildarbeit auf Augenhöhe: Sie zeigt Schülerinnen frühzeitig die vielseitigen Chancen eines MINT-Studiums auf, lange bevor diese ihre Studienwahl treffen. Und wer weiß, vielleicht sitzt die nächste Jake Feinler gerade in einem dieser Workshops.
Literatur
Computer History Museum. (2024). Elizabeth „Jake“ Feinler: 2024 Fellow. https://computerhistory.org/profile/elizabeth-jake-feinler/
de Vries, L., & Füchtjohann, M. (2018). Blickpunkt Daten und Fakten: Hochschultypen – Frauenanteile – Informatik. CHE Centrum für Hochschulentwicklung. https://www.che.de/wp-content/uploads/upload/FRUIT_Factsheet_Informatik_Deutschland_Frauen_final_20180426.pdf
Internet Hall of Fame. (2012). Official biography: Elizabeth Feinler. Internet Society. https://www.internethalloffame.org/official-biography-elizabeth-feinler/
Kleinrock, L. (2010). An early history of the Internet. IEEE Communications Magazine, 48(8), 26–36. https://doi.org/10.1109/MCOM.2010.5534584
Statistisches Bundesamt. (2024, 17. Januar). Mehr als ein Drittel der Studienanfängerinnen und -anfänger im MINT-Bereich sind Frauen [Pressemitteilung Nr. N003]. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_N003_213.html
Statistisches Bundesamt. (2026, 28. Januar). Immer mehr Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium [Pressemitteilung Nr. N006]. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N006_213.html