Unter dem Motto „Dein Tag, dein Weg!“ öffnete der Girls’ und Boys’ Day des Ada-Lovelace-Projekts an der Universität Koblenz am Donnerstag, den 23. April 2026, für rund 150 Schülerinnen und Schüler die Türen zu neuen Wegen der Studien- und Berufsorientierung.
94 Mädchen und 53 Jungen der Klassenstufen 5 bis 12 aus über 30 Schulen und mehr als 20 Städten und Gemeinden nutzten den bundesweiten Zukunftstag, um unterschiedliche Studiengänge und Berufsfelder an der Universität Koblenz kennenzulernen.
Der Tag begann mit einem digitalen Grußwort des Universitätspräsidenten Prof. Dr. Stefan Wehner sowie der Projektverantwortlichen Prof. Dr. Nadine Dittert. Anschließend starteten die Teilnehmenden in ihre individuellen Girls’- oder Boys’-Day-Programme, die das Ada-Lovelace-Projekt am Standort Koblenz seit beinahe 25 Jahren organisiert.
Mädchen stärken – Jungen neue Wege eröffnen
Ziel des Ada-Lovelace-Projekts ist es, Mädchen und junge Frauen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu begeistern. In einem geschützten Raum des Ausprobierens lernen sie männerdominierte Studien- und Berufsfelder kennen. Begleitet werden sie von Mentorinnen, Studentinnen der MINT-Fächer, die als nahbare Vorbilder Einblicke in Studium, Praxis und eigene Bildungswege geben.
Insgesamt zwölf Workshops boten den Teilnehmer*innen praxisnahe Erfahrungen: Es wurde programmiert, gelötet, konstruiert, experimentiert und geforscht. Ziel war es, Berührungsängste abzubauen, Selbstvertrauen zu stärken und Neugier zu wecken.
Parallel dazu richtete sich der Boys’ Day bereits zum fünften Mal gezielt an Jungen und junge Männer. Sie erhielten Einblicke in Studien- und Berufsfelder, die bislang überwiegend von Frauen gewählt werden, darunter Grundschul- und Sonderpädagogik, Pflegewissenschaften, Marketing und Germanistik.
Workshops, die begeistern – Studium und Beruf zum Mitmachen
Im Zentrum des Aktionstags standen die praxisnahen Workshops, in denen die Teilnehmenden gemeinsam mit Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden arbeiteten, Fragen stellten und konkrete Erfahrungen sammelten.
Im Workshop „Mathematik & Kunst: Fraktale, komplexe Zahlen und Turtle-Grafik“ erkundeten die Teilnehmerinnen unter Leitung von Prof. Dr. Bracke die ästhetische Seite der Mathematik und gestalteten eigene grafische Werke am Computer. Die Verbindung von Logik und Kreativität sorgte für Begeisterung und viele Aha-Momente.
Einen niedrigschwelligen Einstieg in die Informatik bot der Workshop „Dein Einstieg in die App-Programmierung“ unter Leitung der Doktorandin Ivanna Kramer. Mit dem MIT App Inventor entwickelten die Teilnehmerinnen ihre erste eigene Smartphone-App. „Technik und Programmieren sind wie ein Baukasten, mit dem wir unsere Zukunft aktiv gestalten können. Um die großen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen, brauchen wir kreative und mutige Köpfe; und der Blickwinkel von Mädchen ist dabei unverzichtbar“, so Kramer. Ziel sei es, dass jede Teilnehmerin mit dem Gefühl gehe: „Das ist spannend, das kann ich – und die Welt braucht meine Ideen.“
Kreativ-technisches Arbeiten stand auch im Workshop „Tech meets Textil: Programmierte Stoffdrucke“ im Mittelpunkt. Hier durchliefen die Teilnehmerinnen den gesamten Informatikprozess – von der Idee über die Programmierung bis zum fertigen Produkt. Informatikprofessorin Prof. Dr. Nadine Dittert betont: „Mit Vorbehalten umzugehen und stereotype Vorstellungen aufzubrechen, ist ein anstrengender und langwieriger Prozess. Wir sind noch immer wenige Frauen in der Informatik, das muss sich ändern, weil wir Technologien von Menschen für Menschen entwickeln und es verschiedene Menschen in der Entwicklung braucht um für alle passende Technologien zu entwickeln.
Zudem ist vielen Menschen nicht klar, was Informatik tatsächlich ist. Medien spielen oft mit Klischees, verstärken diese und erschweren es, ein realistisches Bild der Disziplin zu vermitteln. Das nimmt die Motivation, sich mit Informatik zu befassen und hält viele Menschen, insbesondere Mädchen und Frauen, davon ab. Diesen Kreislauf wollen wir durch Aktivitäten wie den Girls’ Day und die Sichtbarmachung der Vielfalt der Informatik durchbrechen.“
Im ingenieurwissenschaftlichen Workshop „Brücken bauen leicht gemacht“ standen Teamarbeit und Statik im Fokus. Große Begeisterung herrschte, als die gemeinsam konstruierte Leonardo-Brücke der Belastungsprobe standhielt. Anschließend entwickelten die Teilnehmerinnen eigene Brückenkonstruktionen und setzten sich dabei bewusst mit Statik und Form auseinander.
Einen Einblick in die Life Sciences bot der Workshop „Biochemie: Dein Einstieg in die Welt als Wissenschaftlerin“. „Uns ist es wichtig, jungen Frauen zu zeigen, wie vielfältig und spannend biochemische Forschung ist. Gleichzeitig möchten wir ihnen einen realistischen Eindruck von unserer täglichen Laborarbeit vermitteln“, erklärt Doktorandin Lorena Kröner. Die Teilnehmerinnen extrahierten eigenständig Naturstoffe, arbeiteten mit Gefriertrocknung und untersuchten deren biomedizinisches Potenzial – angelehnt an die aktuelle heimische Amphibiensekret-Forschung.
Im Workshop „Build. Code. Create.: Dein Einstieg in die Robotik“bauten und programmierten die Teilnehmerinnen LEGO® SPIKE – Roboter. Anhand kleiner Robotermissionen lernten sie, wie Algorithmen, Sensorik und logisches Denken zusammenspielen, wenn ein Roboter Hindernisse erkennt und eigenständig reagiert.
Großen Anklang fand auch die Löt‑Werkstatt in der Physik, in der zwölf Teilnehmerinnen einen elektronischen Würfel bauten, der auf Bewegungen reagiert. Unter fachkundiger Anleitung erlernten sie den sicheren Umgang mit dem Lötkolben und grundlegende elektrotechnische Fertigkeiten. Besonders prägend war die Verbindung von Theorie und Praxis – und dass der selbstgebaute Schüttelwürfel als Andenken mit nach Hause genommen werden durfte.
Auch für die Teilnehmer des Boys’ Day wurde ein vielfältiges Programm angeboten. Im Workshop „Karrierewege in der Pflege – #pflegestudieren an der Uni Koblenz“ erhielten die Schüler realistische Einblicke in ein anspruchsvolles Berufsfeld. Neben abwechslungsreichen Praxisübungen lernten sie unterschiedliche Studien‑ und Karrierewege kennen. Silke Doppelfeld erklärte dazu: „Pflege ist längst kein rein altruistischer Frauenberuf mehr. Uns war wichtig, ein realistisches Bild mit fachlicher Tiefe, Verantwortung und echten Zukunftsperspektiven zu vermitteln.“
Eine Premiere feierte der Workshop „Lehramt Grundschule“. Die Teilnehmer erhielten praxisnahe Einblicke in die Vielfalt modernen Unterrichts und entwickelten mithilfe von Lernrobotern erste Ideen für einen verstehensorientierten Mathematikunterricht. „„Als AG der Didaktik der Mathematik bilden wir eine Schnittstelle zwischen Mathematik und Grundschule. Da Mathematik nach wie vor ein männerdominierter Bereich ist und das Grundschullehramt umgekehrt überwiegend von Frauen gewählt wird, wollen wir diese Konstellation nutzen und eine Brücke schlagen““, erklären Prof. Dr. Kirsten Winkel und Mareike Theobald. Ziel sei es zu zeigen, dass sich ein MINT-Interesse sehr gut mit dem Grundschullehramt verbinden lässt.
Ebenfalls erstmals angeboten wurde der Workshop „Lehramt Sonderpädagogik“, der Einblicke in inklusive Bildungsprozesse gab. Die Teilnehmer setzten sich mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Diagnostik und Kommunikationsstrategien auseinander und erhielten ein realistisches Bild davon, wie Sonderpädagog*innen Schülerinnen und Schüler individuell fördern und begleiten.
Im Workshop „Einblicke in das Germanistikstudium: Künstliche Intelligenz in Jugendliteratur und ‑medien“ analysierten und diskutierten die Teilnehmenden Darstellungen von KI in Jugendromanen und Hörspielen. Gemeinsam reflektierten sie, wie Technik in Medien erzählt wird – und welche gesellschaftlichen Fragen sich daraus für unsere reale Welt ergeben.
Abgerundet wurde das Programm durch den Workshop „Marketing, das begeistert: Wie gewinnt man Kund*innen?“. In praxisnahen Übungen entwickelten die Teilnehmer eigene Produktideen und lernten, wie diese überzeugend kommuniziert werden. Kreatives Denken, Präsentation und strategische Überlegungen standen dabei im Zentrum.
Evaluation bestätigt Wirkung
Die Wirkung des Girls’ und Boys’ Day wird durch eine bundesweite Studie der Prognos AG bestätigt. 95 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen und 89 Prozent der Schüler würden den Aktionstag weiterempfehlen. Zudem geben 69 Prozent der Mädchen und 67 Prozent der Jungen an, neue Berufe kennengelernt zu haben. Fast die Hälfte der Girls’ Day‑Teilnehmerinnen (49 Prozent) nutzte den Tag gezielt, um zu prüfen, ob ein bestimmtes Studium oder ein Beruf zu ihnen passt. Damit zählen Girls’ Day und Boys’ Day zu den wirkungsvollsten und beliebtesten Formaten der Berufsorientierung in Deutschland und leisten einen zentralen Beitrag zur klischeefreien Studien‑ und Berufswahl.
Auch die Organisatorinnen Stephanie Justrie und Katharina Schuster ziehen ein positives Fazit:
„Hier erleben Jugendliche die Universität Koblenz als lebendigen Studienort. Im direkten Austausch werden Interessen geweckt – und die Studierenden von morgen erreicht.“
Für alle Beteiligten steht daher fest: „Wir freuen uns schon jetzt auf den Girls’ und Boys’ Day 2027!“















